SUPERVISION und COACHING nach SYST
Fallbeispiele, Erfahrungsberichte, Hintergrundwissen

Erfahrungsbericht: Zur Wertschätzung, Würdigung, respektvoller Anerkennung

Was macht sie aus, jene freudige Erwartung, mit der ich einen Coachingabend mit Systemischen Strukturaufstellungen besuche, geht es hier doch um ein gemeinsames lösungsorientiertes Arbeiten, das im intensiven Erleben immer wieder ziemlich fordernd und anstrengend sein kann.

 

Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin

Was macht sie aus, jene freudige Erwartung, mit der ich einen Coachingabend mit Systemischen Strukturaufstellungen besuche, geht es hier doch um ein gemeinsames lösungsorientiertes Arbeiten, das im intensiven Erleben immer wieder ziemlich fordernd und anstrengend sein kann.

Im  Wesentlichen erscheint es mir die Atmosphäre von gegenseitiger Wertschätzung und respektvoller Akzeptanz zu sein, die - oft schon im vorangehenden ‚small talk’ - spätestens zu Beginn der Einheit durch die einleitenden Worte der AufstellungsleiterIn transportiert bzw. verstärkt wird.

Immer wieder spannend ist es für mich, einzutauchen in ein Geschehen, das von gegenseitiger Anerkennung geprägt ist und das mich die vielen gedankenlos oberflächlichen und allzu oft von Vorurteilen, Aggression und Respektlosigkeit geprägten Begegnungen ‚im Außen’ vergessen lässt.....und das ist unglaublich wohltuend!

Selbstverständlich ist die Systemische Strukturaufstellung als Methode unter anderen Voraussetzungen kaum denkbar und dennoch existieren sehr wohl auch in Bezug auf den Umgang  mit der Dimension von Wertschätzung, Würdigung, Anerkennung... deutliche Unterschiede in der praktischen Arbeit mit diesem Ansatz; die Qualität der Vorgehensweise innerhalb einer bestimmten Methode lässt sich, wie sonst auch, nur im Unterschied zu anderen erfahrbaren Möglichkeiten festmachen.

Was mir besonders wertvoll erscheint ist das Bewusstsein und Einverständnis  darüber, dass es kein Falsch und kein Richtig gibt; was ausgesprochen wird, darf mit Akzeptanz rechnen, alle zur Verfügung gestellten Anliegen gelten als wichtig, haben ihre eigene unverwechselbare Bedeutung und werden als solche angenommen und respektiert.

Schon in dem der eigentlichen Aufstellung vorangehenden Austausch zwischen AnliegenbringerIn und Person der LeiterIn wird dem erzählten Anliegen größtmögliche Aufmerksamkeit und Würdigung entgegengebracht.

Aus eigenem Erleben kann ich von einem positiven, angenehm beruhigenden Gefühl berichten, das durch uneingeschränkte Aufmerksamkeit und damit verbundener Akzeptanz und Wertschätzung meiner Person und meinem Anliegen geschenkt wird.

Später, sei es als Aufstellende oder Repräsentantin, habe ich in der Regel sehr viel Zeit, mich auf das aktuelle Geschehen einzulassen und mich auf meine (Körper)Wahrnehmungen zu konzentrieren. Spontane Reaktionen sind erlaubt, ja erwünscht... alles, was geschieht, wird von mal zu mal aufs Neue erfunden bzw. durch die respektvolle ‚Regie’ der LeiterInnen in einen passenden Kontext gebracht.

Immer wieder ist es faszinierend zu beobachten, wie minimale Akzente in Form von Anleitung eine Vielzahl von Veränderungen evozieren, das Spektrum möglicher Reaktionen und Wirkungen scheint unerschöpflich.

Ich fühle mich wohltuend begleitet in einem (Gestaltungs-)Prozeß, dessen Lebendigkeit von gegenseitiger Zuwendung, einem Lauschen und Spüren sowie der allgegenwärtigen körperlichen Wahrnehmung geprägt wird.

Erfahrungsbericht: Aus dem Blickfeld einer Unkundigen - ein Erfahrungsbericht

Zur Aufstellungsarbeit zieht es mich hin, weil die Dimension der Wahrnehmung besondere Beachtung erfährt und die sinnlich wahrnehmbare und wahrgenommene Welt, mehr oder weniger bewusst, ja im ständigen Fluss ist.

 

Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin x)

Seit ein paar Monaten nehme ich als Repräsentantin bei Systemischen Strukturaufstellungen teil. Zur Aufstellungsarbeit zieht es mich hin, weil die Dimension der Wahrnehmung besondere Beachtung erfährt und die sinnlich wahrnehmbare und wahrgenommene Welt, mehr oder weniger bewusst, ja im ständigen Fluss ist.
Mich fasziniert bei der Aufstellungsarbeit immer wieder, wie blitzschnell, scheinbar unvermittelt und unerwartet die Wahrnehmung mein Befinden ergreift, ein Bedürfnis oder einen Bedarf aktiviert, wenn ich ein Thema oder eine Person repräsentiere. Dieser Prozess beginnt bereits, wenn ich gefragt werde, ob ich mich zur Verfügung stellen würde, um etwas oder jemanden zu repräsentieren. Allein schon bei meiner Zusage, in der Folge beim Hineinführen in ein System von Elementen, fällt mir auf, dass mich innerlich etwas berührt und bewegt. Wenn ich dann im System auf einem Platz, zu dem ich hingeführt werde, stehe, mobilisiert sich in mir nicht immer, aber immer wieder, ein Wunsch nach Veränderung meiner Position. Der Platz, auf den ich von der Person, die ihr Anliegen mittels einer Aufstellung näher beleuchten will, hingeführt und gestellt worden bin, erzeugt ein stimmiges oder unstimmiges Gefühl in mir. Was immer es auch bezeichnet, ich erlebe das hautnah. Intensiv nehme ich das Gefühl im Kontakt mit den anderen Repräsentanten/innen wahr. Ich sehe sie an, nehme Blickkontakt auf, und umgekehrt sie mit mir, oder auch nicht.

Im Prozess des Aufstellens drückt sich meine Wahrnehmung relativ unvermittelt nonverbal aus. In Worte gefasst, hören alle beteiligten Systemelemente meine wahrgenommene Positions- bzw. Zustandsbeschreibung und ich wiederum die der jeweils anderen. Jede/r nimmt es auf seine Art und Weise wahr und empfindet dabei etwas. Wir stehen zueinander in einem ständigen Rückkoppelungsprozess. Was so schlicht klingt, ist für mich manchmal gar nicht schlicht. An diesen Schnittstellen entsteht eine weitere Wahrnehmung, die das Gesagte mit der mir eigenen Bedeutung besetzt und mein Erleben beeinflusst. Dazu reicht es, zu schauen und mit zu hören. Ich verspüre sogar bisweilen den Impuls, jetzt sofort, etwas tun zu wollen. Das fordert meine Achtsamkeit immer wieder neu heraus. Nämlich die, zu meiner eigenen Wahrnehmung und zu meinen Empfindungen zurückzukehren. Die ausgedrückten Eindrücke anzunehmen, anzuerkennen und ihre Wirkung auf mich wahrzunehmen.

In manchen Sequenzen bleibe ich auch unberührt. Oft ist das auch stimmig. Hin und wieder aber denke ich mir, dass mich das nicht berührt. In diesen Momenten erscheinen mir ad hoc Erklärungen, Begründungen, Zuschreibungen richtig lukrativ. Aber Denken ist etwas anderes als Wahrnehmen und Wahrnehmen etwas anderes als die Beschreibung des Wahrgenommenen. In diesen dynamischen Austauschprozessen entsteht eine Wirklichkeit, die in stetigem Fortgang des Aufstellungsprozesses auch zu meiner wird. Ich habe als unkundige Repräsentantin in fremden Systemen erlebt, dass Systemische Strukturaufstellungen wirkungsvoll den Blick für mögliche Lösungen öffnen und finden.

Meine Wahrnehmungen, Körperempfindungen, Sicht- und Hörweisen und die der beteiligten Elemente nutze ich, um meine Stellung im System zu erkunden und sie den anderen Repräsentanten/innen und den Aufstellungsleiter/innen wahrzugeben. Dasselbe machen die anderen. So werden Zusammenhänge und Beziehungen innerhalb des von mir in bestimmter Weise wahrgenommenen Systems, mit jeder Bewegung und mit jedem Ausdruck und Eindruck innerhalb der Beziehungen, deren Teil ich bin, fassbarer, klarer, sichtbarer. Wir formieren uns sukzessive zu einer Struktur, die allen Elementen eine für sie und zueinander stimmige Position im System ermöglicht.

Tatsächlich verändert sich durch die sorgsam-umsichtige Vorgehensweisen der jeweiligen Aufstellungsleiter/innen, die mit der Zielklärung der Anliegen beginnt. Gepaart mit voller Anerkennung für die Wahrnehmungserlebnisse und neutraler Haltung verwandelt sich die Richtung meiner eigenen und mir nicht eigenen Wahrnehmung und damit die Qualität des Erlebens und der Position im System: Wahrnehmung für Wahrnehmung, Beschreibung für Beschreibung und Schritt für Schritt.
Ich habe die differenzierte Methodenvielfalt der Systemischen Strukturaufstellungen ausschnittweise kennengelernt. Einiges, vielleicht auch mehr, ist hier aus meinem Fokus der Aufmerksamkeit ausgeblendet. So ist das mit der Aufmerksamkeit, sie ist selektiv. Wahrnehmen ist ein konstruktiver Akt.

x) Den Begriff "unkundig" habe ich gewählt, weil ich nie wissen kann, was in einem System wirklich vorgeht. Wissen kann ich etwas über meine Wahrnehmungen. Sie sind einfach da, und über sie können wir nicht streiten. Wir können sie anerkennen und wir können sie gemeinsam erschließen.

Hintergrundwissen: Wie wir durch Strukturaufstellungsarbeit für den Alltag lernen können...

Machen wir gemeinsam einen kleinen Ausflug auf die Zusammenhänge der Aufstellungsarbeit, unserem oft vernachlässigten Körper-Wissen und die dabei ganz von selbst auftretenden Lerneffekte ...

Aussagen wie: "ich weiß nicht, ob ich das aus der Rolle heraus getan habe oder ob ich das selbst bin" oder "erstaunlich, wie sehr die Aussagen der RepräsentantInnen übereinstimmen mit der Realität“ hören wir immer wieder bei unseren Nach-Besprechungen nach einer Aufstellung.
Diese Beschreibung ist ein Versuch, in der Kürze die Aufstellungsarbeit im Zusammenhang mit unserem oft vernachlässigten Körper-Wissen zu betrachten und die dabei ganz von selbst auftretenden Lerneffekte hervorzuheben.

Aufstellungsarbeit bietet eine besondere Möglichkeit, unsere Körperwahrnehmungen und Körperempfindungen deutlicher wahrzunehmen als in Alltagssituationen. Die RepräsentantInnen können in einer Aufstellung Beziehungsstrukturen und deren Veränderungen wahrnehmen. Diese Wahrnehmungen sind nicht spezifisch für die einzelnen, sondern spezifisch relativ zu dem System und relativ zu einer spezifischen Situation. In einer Aufstellung sind wir in einer Weise "Organe eines umfassenden Körpers" laut Matthias Varga von Kibéd und „wir stellen uns mit unseren Wahrnehmungsmöglichkeiten in den Dienst einer Gruppe, eines uns fremden Systems“.

Wir lernen durch das Hinein- und wieder Herausgehen aus der repräsentierenden Wahrnehmung, in welcher Weise wir in einen intensiven Kontakt mit unseren Wahrnehmungen kommen, in welcher Weise sie sich verändern und mit anderen Teilen des Systems zusammenhängen. Wir nehmen wahr, in welcher Weise wir auf zum Teil geringfügig veränderte Körperhaltung anderer, auf einen kleinen Schritt, einen kurzen Blickkontakt, ein einzelnes Wort reagieren.

Diese Wahrnehmungsfähigkeit die praktisch jede/r von uns hat, können wir trainieren. Wenn wir immer wieder in Aufstellungen stehen, verbessern wir unsere Fähigkeit, uns schneller in die Position, die Sichtweise, die Gefühle, die Haltung der anderen hineinzuversetzen. Durch die Repräsentation des Leiters eines Teams, kann jemand erfahren, wie es wäre, LeiterIn dieses spezifischen Teams zu sein, aber auch generell wie es wäre, LeiterIn eines Teams zu sein.

Vielleicht entsteht dadurch eine etwas veränderte Sichtweise für das Geschehen im eigenen Team im Alltag. Durch die Fokussierung unserer Aufmerksamkeit und durch das Achten auf Körperwahrnehmungen in einer Aufstellung werden wir daran erinnert, auf unsere immer vorhandenen, aber teilweise verschütteten Körperwahrnehmungen im Alltag stärker zu achten.

Die auftretenden Empfindungen, während jemand eine Rolle in einer Aufstellung repräsentiert, gehören zunächst immer zu diesem fremden System. Erinnern solche Empfindungen an eigene Erfahrungen, so treten sie in Resonanz mit dem eigenen System und gehören damit gleichzeitig zum fremden und zum eigenen System. Solche Erfahrungen machen es möglich, viel für die eigene Situation zu lernen. "Dies ist auch der Grund dafür, dass beim Repräsentieren in fremden Rollen, viel für die eigene Situation gelernt werden kann." (Matthias Varga von Kibéd).
Solche Erfahrungen fördern mit der Zeit unsere Fähigkeit, Eigenes und Fremdes im Alltag zu unterscheiden. Eine sehr nützliche Fähigkeit, um uns in so komplexen Systemen wie Organisationen davor zu bewahren, in fremde Schauplätze zu geraten.