Was ist SYST?
Systemische Strukturaufstellungen, SySt®

Sachwalterschaft

Die SySt®  ausführlich: Systemische Strukturaufstellungen, entwickelt von Dipl.-Psych. Insa Sparrer und Prof. Dr. Matthias Varga von Kibéd, sind ein Gruppensimulationsverfahren. Dabei werden mithilfe von Personengruppen Systeme simuliert, um die Struktur eines jeweiligen Systems zu beobachten und in die gewünschte Richtung zu verändern. Durch die transverbale Sprache von SySt® kann der erwünschte Zustand nicht nur kognitiv, sondern auch intuitiv erkundet und erfahren werden. 

Systemische Strukturaufstellungen (SySt®) sind ein hochwirksames Instrument und liefern in kurzer Zeit ein hohes Maß an neuen Informationen. Überall dort, wo die Komplexität besonders hoch ist, beispielsweise in Organisationen und in Projekten können sie auch besonders effektiv eingesetzt werden. 

Strukturaufstellung® ist ein eingetragenes Warenzeichen, SySt® ein Markenzeichen des SySt-Instituts München.

Tetralemma Modell

Lösungsfokussiertes Vorgehen

Grundlegend für Systemische Strukturaufstellungen sind ein lösungsfokussiertes Vorgehen und ein umfangreiches grammatisches Regelsystem. 

Der Lösungsfokussierte Ansatz von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer ist eine der wichtigsten Wurzeln der Systemischen Strukturaufstellungen. Die SySt® sind immer in lösungsfokussierte Vor- und Nachgespräche eingebettet.

 Transverbale Sprache ergänzt und erweitert die verbale

Die transverbale Sprache der Systemischen Strukturaufstellungen (SySt®) stellt eine Ergänzung zur rein verbalen Sprache in Coaching und Beratung dar. So kann etwas gezeigt werden, worüber wir in der verbalen Sprache oft vergeblich zu sprechen versuchen.

Während der lösungsfokussierte Ansatz eine Gesprächsform ist, können durch die Systemischen Strukturaufstellungen die mithilfe der verbalen Sprache konstruierten Lösungen „ins Bild“ gesetzt und externalisiert werden. 

Wir verwenden häufig Ausdrücke in der Alltagssprache, die auf räumliche Anordnungen hinweisen wie beispielsweise „er steht mir nahe“, „ich brauche mehr Abstand“, „wir haben unser Team neu aufgestellt“, „der Chef stärkt mir den Rücken“. 

Als ein Gruppensimulationsverfahren nutzen die Systemischen Strukturaufstellungen (SySt®) unsere Fähigkeit der räumlichen Wahrnehmung und das Wissen zwischen uns zur Vermehrung von Informationen. 

Systemische Strukturaufstellungen, (SySt®) – Wirkt unmittelbar … und zugleich länger

Wenn Coaching-Kunden nach einem Coaching Prozess mit Aufstellung bzw. transverbalen Elementen befragt werden, wie sie den Nutzen und die Wirkung beschreiben können, können sie oft auch einen sehr klaren neuen Zugang nicht in Worte fassen, da das Neue eben nur in der wesentlich reicheren transverbalen Sprache vorliegt. 

Das Lösungserleben wirkt oft Monate nach der Aufstellung in schwierigen Phasen erleichternd, wird es von manchen Kunden beschrieben. Auch eine wissenschaftliche Studie an der Universität Heidelberg zeigt, dass Aufstellungen sehr viel länger wirken als vergleichbare Methoden. 

Das transverbale Gespräch ist nicht nur eine Alternative zum verbalen, sondern eine wesentliche und starke Erweiterung davon. 

Wann macht der Einsatz transverbaler Sprache einen besonders wirksamen Unterschied?

1) Neue Klarheit und Überblick

Wenn bei einem Thema viele interne und externe Faktoren eine Rolle spielen und die Komplexität hoch ist. 

In solchen Fällen schafft eine Externalisierung und räumliche Wahrnehmung Klarheit und Überblick.

Bei Fragen wie “was gehört alles zum System, z. B. zu einem Team, zu einem Projekt, sind alle projektrelevanten Faktoren berücksichtigt?” entsteht eine neue Klarheit bzw. ein Überblick, wenn alle relevanten Aspekte der Fragestellung als ein räumliches Bild aufgestellt werden. So können auch bisher übersehene Aspekte und fehlende Elemente einbezogen werden. Auch das inhaltliche und/oder zeitliche Sortieren schafft eine neue Klarheit. 

Eine Coaching-Kundin beschreibt diesen Umwandlungsprozess eindrucksvoll mit folgenden Worten:

„So werden Zusammenhänge und Beziehungen innerhalb des von mir in bestimmter Weise wahrgenommenen Systems, mit jeder Bewegung und mit jedem Ausdruck und Eindruck innerhalb der Beziehungen, deren Teil ich bin, fassbarer, klarer, sichtbarer. Das Neue formiert sich sukzessive zu einer Struktur, die allen Elementen eine für sie und zueinander stimmige Position im System ermöglicht, Wahrnehmung für Wahrnehmung, Beschreibung für Beschreibung und Schritt für Schritt“.

2) Fine Tuning bei wichtigen Botschaften/Handlungen

Wenn das gewünschte Ergebnis klar ist, aber das Wie der Umsetzung unklar, bzw. wenn bisherige Versuche nicht erfolgreich waren oder wenn es um Ausgleich und Anerkennung geht. 

Wenn beispielsweise eine wichtige Maßnahme vom zuständigen Mitarbeiter nicht umgesetzt wird und die Frage etwa lautet: “Wie kann ich es erreichen, dass es beim nächsten Gespräch ankommt?“, bringt ein Perspektivenwechsel oft überraschend schnell ein Verständnis und Einsicht für den Gesprächspartner. 

So kann ein Dialog mit einer wichtigen Botschaft z. B. vor einem Mitarbeitergespräch simuliert werden und es ist unmittelbar erfahrbar, ob es die gewünschte Wirkung zeigt. Wenn die gewünschte Wirkung nicht gleich eintritt, kann der Coach modifizierte Sätze vorschlagen, so dass ein Fine Tuning möglich ist. 

Dieses Probehandeln und Erleben der Situation minimiert das Risiko für ungünstige Auswirkungen und erhöht durch das Erleben-wie-etwas-funktioniert die Sicherheit, dass die gewünschten Effekte eintreten werden. 

So entsteht ein Mehr-Wert durch Einsatz der transverbalen Sprache. Auch Zukunftsszenarien beispielsweise in Projekten können so simuliert und daraus wertvolle Handlungsoptionen gewonnen werden. 

3) Aus eins wird zwei

Aussagen wie „mit der Kollegin A kann ich nicht zusammenarbeiten, es ist ganz eigenartig“ oder „das bisher gute Klima im Team ist plötzlich getrübt, es ist eine seltsame Spannung da“ weisen auf solche Situationen hin.

Es kommt häufig vor, dass Personen, Orte, Situationen, Themen und ähnliches mit anderen beispielsweise früheren Erfahrungen assoziiert werden. Angenommen, wir bekommen einen neuen Kollegen und dieser erinnert uns an jemanden, den wir kennen und mit dem wir eine schwierige Erfahrung gemacht haben. Wenn sich eine solche Überlagerung nicht von selber wieder auflöst, dann wird es schwierig, der neuen Kollegin neutral zu begegnen, weil sich ständig die frühere Erfahrung ungünstig hineinmischt.

Zur Klärung von solchen „versehentlichen“ Aufstellungen ist die transverbale Sprache im Coaching Gespräch sehr hilfreich. Ein solcher Prozess läuft ohne viele Worte, vor allem ohne Diskussionen, Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen. Es kann leicht und schnell getestet werden, ob beispielsweise etwas „dazwischengeraten“ ist und ob es einen Unterschied macht, wenn das, was „dazwischengeraten“ ist, zur Seite geht. Wenn erlebt wird, dass ein solcher „versehentlicher“ Konflikt mit etwas oder jemandem anderen zu tun hat, stellt sich meist eine sofortige positive Wirkung ein.

Vor allem die jüngeren Entwicklungen der SySt®-Miniaturen machen möglich, in ein verbales Coaching Gespräch transverbale Elemente einzufügen und danach wieder in das Gespräch zurückzukehren, ohne die Komplexität einer ganzen Strukturaufstellung einzuladen. 

Das transverbale Gespräch ist nicht nur eine Alternative zum verbalen, sondern eine wesentliche und starke Erweiterung davon, auch in organisationsinternen Coaching Prozessen. 

Ein achtsamer, lösungsfokussierter Umgang, eine Haltung des Nichtwissens ohne das Gehörte gleich zu deuten und einzusortieren vorausgesetzt.

Der Abbildungsprozess bei einer SySt® – Strukturaufstellung versus Systemaufstellung

SySt® ermöglichen es uns, Modelle, die wir uns von der Welt bilden, als sichtbares Bild nach außen zu bringen, zu externalisieren. Diese äußeren Bilder werden durch passende Interventionen auf der Basis der SySt®-Grammatik verändert und wirken wieder zurück auf das System, das sie abbilden in Form von neuen Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten. 

Bei den Systemischen Strukturaufstellungen ist zu beachten, dass wir Strukturen aufstellen und keine Systeme. Das abzubildende System (das Originalsystem) und das gestellte System (das Modellsystem) einer SySt® haben eine Struktur gemeinsam, nicht die einzelnen Elemente. 

Eine „Systemaufstellung“ wird in der Regel als direkte Abbildung eines Systems verstanden, während die Strukturaufstellungen eher als mehrdeutige Resonanzen zu verstehen sind, also nur indirekte Abbildungen von Systemen leisten. Strukturaufstellungen sind daher keine Systemaufstellungen. 

Wenn beispielsweise vier Personen in einem Raum angeordnet stehen, können wir nicht unterscheiden, ob diese vier Personen eine Familie darstellen oder ein Team oder ein Körpersystem. Was die vier Personen darstellen, ist die Struktur ihrer Beziehung. Wir können sehen, wer für wen sichtbar ist, wer abseits steht, wer auf etwas anderes ausgerichtet ist. Die Mimik der Personen kann zeigen, wer sich wohlfühlt und wem es schlecht geht. Jedoch, wen die Elemente darstellen, ist nicht erkennbar, das entscheidet der Betrachter. 

Dazu eine kleine Geschichte (aus Gibran 1999, zit. in Klare Sicht im Blindflug):

In einem Kloster lebte unter den Mönchen ein Einäugiger. Eines Tages kam ein Wandermönch vorbei, der den Einäugigen zu einer schweigenden philosophischen Debatte herausforderte. Am Ende gestand er seine Niederlage ein. Um sich zu verabschieden, ging er zum Oberhaupt des Klosters. Der Wandermönch erzählte dem Klostervorsteher, was für ein Genie der einäugige Mönch sei, und sagte:

„Ich begann die Debatte und erhob einen einzelnen Finger, der symbolisierte den Buddha. Dein Bruder erhob daraufhin zwei Finger, das symbolisiert den Buddha und auch seine Lehre, das Dharma. Ich antwortete mit drei Fingern und deutete damit auf die Dreiheit von Buddha, Dharma (Gesetz) und Sangha (Gemeinschaft) hin. Darauf antwortete der Einäugige mit einer Faust. Dies weist darauf hin, dass Buddha, Dharma und Sangha eins sind.“

Daraufhin verbeugt sich der Wandermönch und verließ das Kloster. Kurz darauf kam der einäugige Mönch wutentbrannt in das Zimmer des Klostervorstehers und beschwerte sich über die Unverschämtheit des Gastes. Der erstaunte Klostervorsteher fragte, was denn los sei. Der Mönch antwortete:

„Wir hatten uns entschieden, den Disput wortlos zu führen. Der Gast zeigte zunächst einen Finger, das bedeutet, er wies darauf hin, dass ich nur ein Auge habe. Ich wollte nicht unhöflich sein und antwortete mit zwei Fingern, um anzuzeigen, dass er zwei Augen habe. Der Halunke erdreistete sich mit drei Fingern zu antworten, um mir zu zeigen, dass wir zusammen drei Augen haben. Ich verlor die Fassung und zeigte ihm meine Faust, womit ich ihm androhte: ´Wenn du nicht aufhörst, über Augen zu sprechen, dann schlage ich dir deine beiden aus.´“

Die Gestik zeigte die Struktur des Gemeinten an, beide Mönche verstanden sie gemäß ihrer eigenen sehr unterschiedlichen Haltung. 

So findet der Kunde einer Strukturaufstellung sein Thema, seine Geschichte wieder, für andere beobachtende Beteiligte kann sich eine andere Geschichte zeigen. Beiden Geschichten ist die Struktur gemeinsam, nicht der Inhalt. Deshalb wird bei Systemischen Strukturaufstellungen, SySt® bevorzugt mit abstrakten Elementen gearbeitet, denn je abstrakter ein Wort, desto höher der metaphorische Inhalt. Das erleichtert den Übergang zwischen verschiedenen Deutungsebenen und die Übertragung auf andere Bereiche. Auch die Zuschauer können das Beobachtete leichter mit Eigenem verbinden, auch wenn die Geschichte eine andere ist. Es gibt nicht die richtige Geschichte, nicht die richtige Deutung, aber eine passende Struktur, die unterschiedlichen Deutungen gemeinsam ist und sie miteinander verbindet. 

Eine Fotografie als eine direkte Abbildung von A ist eben keine von B, falls A und B verschiedene Personen sind. Hingegen kann eine Metapher oder eine Lehrgeschichte – als ein indirektes Bild der Situation A – ebenso gut für A wie auch für eine von A verschiedene Situation B passen. 

Meine Angebote mit Systemischen Strukturaufstellungen, SySt®:

Weiterbildungslehrgang „Systemisches Coaching nach SySt®"

vermittelt Kenntnisse über Systemische Strukturaufstellungen und deren Anwendung in Coaching und Beratung in 9 Modulen und 22 Tagen. 4. Lehrgang "Systemisches Coaching nach SySt®" beginnt am 30. Jänner 2016.

Seminare mit Strukturaufstellungen

Einzelne Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen.
Die nächsten Seminartermine finden Sie hier.

Coachinggruppe mit SySt® 

Offene Abendgruppe mit Strukturaufstellungen biete ich monatlich an.

Praxis-Beispiele für unterschiedliche Anwendungsfälle finden Sie unter Fallbeispiele

Auf den Seiten 

SySt®-Instituts München, Institut für systemische Ausbildung, Fortbildung und Forschung
SyStconnect, Vereinigung Systemischer StrukturaufstellerInnen
finden Sie weitere Informationen und Angebote zu Strukturaufstellungen.